konfrontieren statt tolerieren
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 „Sag´ es mir,

und ich werde es vergessen.

Zeig´ es mir,

und ich werde mich daran erinnern.

Beteilige mich,

und ich werde es verstehen.“

 

Lao-Tse

 

 

Das heutige Organisationsmodell aller Schulformen stammt aus der Epoche des 16. Jahrhunderts, in der die Jahrgangsklassen erfunden wurden. Deren Einrichtungen, basierend auf dem Prinzip des Fachunterrichts, bildeten eine der Voraussetzungen für die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im 19. Jahrhundert. Ziel der so genannten „Volksschulen“ war es, eine Unterrichtsversorgung großer Schülerzahlen mit möglichst gleichen, elementaren Kenntnissen und Fähigkeiten zu gewährleisten. Begriffe wie Differenzierung oder Individualisierung waren Fremdworte.[1]

Die rapide voranschreitende technische Entwicklung unserer Gesellschaft und die damit verbundene Explosion des Wissens lässt enzyklopädisch auswendig Gelerntes schnell veraltern. Der Umfang des zu lernenden fachlichen Wissens nimmt zu, was wiederum zu gravierenden Defiziten in der Allgemeinbildung führt. Ferner werden fehlende so genannte „Schlüsselqualifikationen“, mit deren Hilfe sich die SchülerInnen Wissen aneignen, bemängelt. „Zwar hat sich das Bildungssystem durchaus als sehr wirksam herausgestellt, was allerdings nichts daran ändert, dass Unterrichten in vieler Hinsicht zum Problem werden kann: Motivationsverlust und mangelndes Interesse, Wissenslücken und „träges Wissen“, geringe Problemlösefähigkeit und defizitäre Handlungskompetenz sind keine Erfindungen der Medien, sondern Tatsachen, die den Unterricht vor neue Herausforderungen stellen.“[2]                                                                                  

Dies lässt den Aspekt der schulischen Wissensvermittlung in den Hintergrund treten und setzt einen neuen Maßstab für andere Kompetenzen. Von den künftigen Generationen werden „Schlüsselqualifikationen“ erwartet, da von ihnen „nicht nur die Fähigkeit und Bereitschaft zu lebenslangem Lernen und zur ständigen Weiterbildung verlangt werden, sondern ganz besonders auch die Fähigkeit zur […] Teamfähigkeit“[3], welche wiederum auf hohe soziale Kompetenzen zurückzuführen ist. Diese Qualifikationen bauen auf Individualität auf und lassen sich nicht durch frontales Unterrichten erlernen.

Auch das Hessische Schulgesetz –HSchG- thematisiert bereits im ersten Teil § 2 den Bildungs- und Erziehungsauftrag aller hessischen Schulen. „Die Schule soll den Schülerinnen und Schülern die dem Bildungs- und Erziehungsauftrag entsprechenden Kenntnisse, Fähigkeiten und Werthaltungen vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen, […] die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und zum sozialen Handeln zu entwickeln, […] Konflikte vernünftig und friedlich zu lösen, aber auch Konflikte zu ertragen.“[4]

In Anlehnung an den Rahmenplan der Grundschule des Landes Hessen sind für die Erfüllung des Erziehungsauftrages Erfahrungen, „die aus gedeuteten Erlebnissen erwachsen, indem ein eher emotional gestimmtes Erleben denkend und handelnd verarbeitet und als Haltung verinnerlicht wird[5], von besonderer Bedeutung, da diese zur Bildung der Gesamtpersönlichkeit beitragen. Daraus resultierend folgert der Rahmenplan, dass es Aufgabe der Schule sei, die Bedeutung solcher Prozesse zu erkennen und zudem neben den fachlichen Lernzielen auch solche im Blick zu haben, welche die Persönlichkeitsbildung der Kinder in den Fokus rückt.

 

[1] Vgl. Paradies, Liane; Linser, Hans Jürgen: Differenzieren im Unterricht. Cornelsen Scriptor, Berlin 2001, S.15

[2] Krapp, A., Weidemann, B.: Pädagogische Psychologie. 4. Auflage, Weinheim 2001, S. 631 ff.

[3] Paradies, Liane; Linser, Hans Jürgen: Differenzieren im Unterricht. Cornelsen Scriptor, Berlin 2001, S.15

 

[4] Hessisches Schulgesetz (Schulgesetz-HSchG-) in der Fassung vom 14. Juni 2005 (GVBI.I S.441), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 14. Juli 2009 (GVBI. I S. 265), abgedruckt in der ab 21. Juli 2009 geltenden Fassung

[5] Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan Grundschule gemäß der 204. Verordnung über Rahmenpläne des hessischen Kultusministers vom 21.3.1995, Verlag Moritz Diesterweg, Seite 13

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